Wie aus Satellitenbildern Kunst wurde

Bei den Aufnahmen, die man aus Google Earth kennt, denkt man nicht unbedingt sofort an künstlerische Fotografie, doch die kuratierten Satellitenaufnahmen des Projekts Google Earthview ändern das.

Google hatte mit seinem Projekt Google Earth im Jahr 2001 eine Software veröffentlicht, die es uns normalen Endanwender*innen möglich gemacht hat, Satellitenaufnahmen von fast allen Orten der Erde anzusehen.

Ein Autobahnkreuz offenbarte erst von oben die Schönheit dieser eigentlich funktional durchgeplanten Symmetrie. Die klaren Linien von landwirtschaftlichen Feldern stechen aus der umliegenden Natur heraus wie ein bunter Hund.

Der Ort, an dem das Meer auf die Küste trifft, stellt den wunderbaren Kontrast der Elemente eindrucksvoll dar. Irgendwie scheinen alle Größenverhältnisse aus dieser Perspektive verzerrt zu sein und alles Menschengemachte ordnet sich der natürlichen Umgebung unter.

Heute, fast 20 Jahre später, gehören Satellitenbilder zu unserem Alltag. Wir sehen sie nicht nur in Navigations-Apps sondern auch in unzähligen anderen Anwendungen und Webseiten. Durch die in den letzten Jahren immer zugänglicher gewordene Drohnenfotografie hat sich unser Konsum von Luftaufnahmen noch einmal verändert und die Vogelperspektive noch näher an uns herangebracht.

Auch für eben diese Drohnenpiloten spielen Satellitenaufnahmen eine große Rolle, weil sie eine fantastische Möglichkeit bieten, um Orte zu finden, die aus dieser Perspektive fotogen sind.

Vermutlich inspiriert von beidem – Drohnenaufnahmen und Satellitenbildern – startete Gopal Shah, seines Zeichens Produktmanager bei Google, vor einigen Jahren das Freizeitprojekt Earthview, indem er gezielt Luftaufnahmen kuratierte, sie einer Bildbearbeitung unterzog und in einer Sammlung zusammenfasste.

Er selbst bezeichnet sich als Fotograf, der seine Arbeit nicht in der echten, sondern der virtuellen Welt mit der Hilfe von Google Earth vollbringt. Aus dem Ein-Mann-Projekt wurde bald ein größeres Team, es gab eine Erweiterung für den Chrome Browser, um durch die Galerie zu scrollen und die entstandenen Fotos wurden unter anderem als Hintergrundbilder für Android-Telefone verwendet.

Mittlerweile umfasst die Sammlung mehrere tausend Fotos aus allen Kontinenten der Erde und die Webseite wurde um einige Funktionen erweitert: So könnt Ihr zum Beispiel zu allen Bildern die genauen Geodaten einsehen, Euch auf einem Globus gezielt Orte aussuchen oder die Fotos nach Farben filtern.

Das Team um Earthview sagt selbst: „Es ist Kunst, aber wir sind nicht die Künstler. – Die Natur ist der Künstler.“ Laut ihnen zeichnet sich ein gutes Bild des Projekts Earthview dadurch aus, dass nicht unmittelbar klar ist, was man gerade sieht. Man soll sich näher mit dem Bildinhalt beschäftigen müssen, um zu begreifen, ob es sich um ein Gewässer, einen Berg oder etwas ganz anderes handelt.

Das trifft tatsächlich auf einen großen Teil der Aufnahmen zu. Manchmal scheinen sie noch nicht einmal von der Erde zu stammen, was zum Teil auch an der gelungenen Bildbearbeitung liegt.

Die Abwechslung in den Aufnahmen ist überwältigend und man springt vom Abstellgleis eines Bahnhofs zu einer einsamen Insel im Meer zu einer Bergkette, zu einer Wüste zu einem See, zu einer Autobahn und so weiter. Und jedes dieser Motive hat auf seine ganz eigene Art und Weise seinen Charme und die Berechtigung, Teil dieser Galerie zu sein.