Rap-Stars veröffentlichen Song gegen Rechtsextremismus

Hanauer Rapper Azzi Memo: Eines der Hanauer Opfer war sein Cousin
Ondro/ Groove Attack

18 deutsche Rapper, darunter Stars wie Kool Savas, haben einen Song gegen rechten Terror veröffentlicht, der an die Anschläge von Hanau erinnern will. Ihre Kritik an Medien und Gesellschaft ist scharf.

Es ist eine Solidaritätsbekundung gegen Rassismus, wie sie im egozentrierten deutschen Rap eher selten ist. Umso bemerkenswerter wirkt die lange Liste an beteiligten Szenestars, die der Hanauer Musiker Azzi Memo für seinen achteinhalb Minuten langen Track „Bist Du wach?“ aufweisen kann: Neben bekannteren Künstlern wie Kool Savas, Veysel oder Celo & Abdi sind so unterschiedliche Rapper wie Manuellsen, Disarstar oder Credibil dabei, alle haben einen Migrationshintergrund.

Der Song soll die Erinnerung an das Attentat von Hanau aufrechterhalten und übt zum Teil scharfe Kritik am Umgang von Medien und Gesellschaft mit dem Thema Rechtsextremismus. Er wurde am Freitag veröffentlicht. Die Einnahmen, die mit dem Track generiert werden, sollen der Amadeu Antonio Stiftung gespendet werden, die sich für die Opfer rechter Gewalt engagiert.

Es gehe ihm darum, „den Menschen die Augen zu öffnen, auch jenen, die kein rechtes Gedankengut haben. Ihnen beizubringen, dass man mit Hass nicht weiterkommt. Und sich gegen Rassismus stellen muss“, sagt Initiator Azzi Memo in einem Statement zu seiner Aktion: „Die meisten Rassisten werden Rassisten bleiben. Gerade ihnen jedoch sollten wir zeigen: wir gehören dazu. Und wir sind mehr als ihr.“

Im Text des Rap-Tracks geht es hart und unverblümt zur Sache, wie es im Genre üblich ist: „Einigkeit, Recht und Freiheit, alles was wir wollten in diesem Land (…) Menschen bezahl’n mit dem Leben aufgrund ihrer Herkunft, ich kann es nicht fassen/ Im Jahre Zweitausendundzwanzig ist Rechtsextremismus noch immer ’ne Plage/ Limburg, Fulda, Kassel, Hanau oder Halle/ Dass die AfD im Bundestag sitzt, ist eine Schande“, heißt es in Azzi Memos eigenem Rap, andere kritisieren die Medien scharf dafür, rechtes Gedankengut zu verharmlosen oder schlicht nicht hinzusehen, wenn rechte Gewalt ausgeübt wird. Berührend ist es, wenn die afrodeutsche R&B-Sängerin Rola aus Frankfurt darüber singt, wie sie den alltäglichen Rassismus erlebt, mit dem sie konfrontiert ist. Leider ist sie die einzige Frau, die bei dem Projekt mitmacht.

Bei den Anschlägen auf zwei Shishabars in Hanau kamen am 19. Februar neun Menschen mit Migrationshintergrund sowie die Mutter des Attentäters ums Leben. Der Täter Tobias R. handelte aus rechtsextremen und rassistischen Motiven. Ferhat Unvar, einer der Gäste der Bar im Stadtteil Kesselstadt, war ein Cousin von Azzi Memo.