Business Angels: ‎7 Tipps für Kapitalgeber

Mittelständler und private Kapitalgeber beteiligen sich zunehmend an Start-ups in Bayern. Worauf sie bei solchen Investments achten sollten

Marktchancen wittern und sie in Ideen verwandeln, Risiken einschätzen, sie bewusst eingehen, um Chancen zu verwirklichen – der Geist des Unternehmertums hat Robert Oettl (49) nie losgelassen. Bevor er 2014 Geschäftsführer der TÜV Süd Advimo GmbH in München wurde, hatte er sich 25 Jahre lang als Unternehmer profiliert, zuletzt als Mitgründer der Immobilienprozessberatungsfirma cgmunich GmbH.

Jetzt hält er als Privatmann drei Beteiligungen an Firmen in der frühen Phase, die er als Business Angel mit seinen Ratschlägen unterstützt. »Damit kann ich meine Erfahrungen weitergeben, weiterhin unternehmerisch denken und die positive Energie der Start-up-Welt spüren«, freut sich Oettl. Er weiß, wie schwierig es trotz erfolgversprechender Ideen sein kann, Geld von Banken zu erhalten. »Bei innovativen, überzeugenden Geschäftsmodellen investiere ich daher gerne, in der Hoffnung auf eine angemessene Rendite«, sagt Oettl.

Reichlich Unterstützung

Dass er damit hohe Risiken eingeht, die den Verlust des gesamten Investments bedeuten können, ist ihm bewusst. Aber er weiß auch, wie sie sich begrenzen lassen. Immer mehr Unternehmer investieren als sogenannte Business Angels in Start-ups. Sie stellen jungen Firmen zum einen Kapital – meist 50000 bis 500000 Euro – zur Verfügung. Zum anderen können sie dank ihrer eigenen Erfahrung als Unternehmer die Gründer mit Know-how und Kontakten unterstützen. »Business Angels gewinnen zunehmend an Bedeutung – sie sind aus der Frühphasenfinanzierung nicht mehr wegzudenken«, sagt Carsten Rudolph (56), Geschäftsführer von BayStartUP.

BayStartUP unterstützt als bayernweites Investorennetzwerk innovative Firmengründer beim Aufbau ihres Unternehmens und bei der Suche nach Kapital. Inzwischen bündelt es mehr als 300 private und 100 institutionelle Investoren. Rund 40 neue Business Angels kamen im vergangenen Jahr dazu. »Das Thema stößt vor allem bei Mittelständlern auf wachsendes Interesse«, beobachtet Rudolph. Investieren Unternehmer in innovative Start-ups, profitieren sie überdies von der Nähe zu technologischen Trends.

Business Angel Jürgen Rilling (51) findet es inspirierend, am Puls der Zeit zu sein: »Teil solch disruptiver Entwicklungen wie Augmented Reality und Cloud Computing zu sein, ist für mich sehr spannend.« Seit 2007 beteiligt sich der Inhaber der Mirablau GmbH in Gräfelfing als Venture-Capital-Investor an jungen Firmen wie dem Fitnessgeräte-Start-up eGym in München.

Heute liegt sein Schwerpunkt auf Mittelstandsbeteiligungen bei Nachfolgeprozessen. Entwickelt sich ein Start-up besonders gut, können die Renditen andere Anlageformen deutlich übertreffen. Allerdings müssen die Investoren dafür sehr hohe Risiken in Kauf nehmen. »Es sollte ein größerer finanzieller Spielraum vorhanden sein, der zur freien Verfügung steht, denn den hohen Chancen steht auch das Risiko des Totalverlusts gegenüber. Wir empfehlen daher den Aufbau eines kleinen Portfolios«, so BayStartUP-Geschäftsführer Rudolph. Um Fallstricke möglichst zu vermeiden, geben die erfahrenen Investoren Oettl und Rilling folgende Tipps:

1. In die Szene hineinschnuppern. Wer an Veranstaltungen teilnimmt, auf denen sich Start-ups präsentieren, kann testen, ob ihm die Szene überhaupt zusagt. Bei den Events der Businessplanwettbewerbe von BayStartUP oder anderer Netzwerke ist das möglich. Privatinvestor Oettl: »Es empfiehlt sich, mit unterschiedlichen Gründern in Kontakt zu treten, vom Studenten mit grandioser Idee bis zum Manager mit Erfahrung und Anfangskapital – das schult den Blick und macht die ganze Bandbreite sichtbar.«

2. Netzwerke nutzen. »Business Angels haben häufig nicht die Ressourcen, um eine aufwendige Unternehmensanalyse vorzunehmen«, weiß Investor Rilling. Gleichzeitig würden Start-ups inzwischen oft überbewertet. In dieser Situation können Kooperationen zwischen mehreren Business Angels helfen: Konzentriert sich jeder auf die Bereiche, in denen er Expertise mitbringt, lässt sich eine gründliche Analyse gemeinsam stemmen. Ebenso kann es sinnvoll sein, zusammen mit anderen zu investieren. »Damit verbreitern sich das Know-how und die monetären Ressourcen«, so Rilling. Um kooperationswillige Investoren zu finden, können Angels nicht nur die eigenen Netzwerke nutzen, sondern auch bayernweite wie etwa BayStartUP.

3. Start-ups genau prüfen. Business Angels sollten bei Gründern, die in die engere Wahl kommen, eingehend prüfen, wie zukunftsfähig deren Geschäftsmodelle, Produkte und Teams sind. Sind Businesspläne und Prognosen plausibel? Ist die Story der Gründer realistisch? Dabei sollten die Investoren auf das eigene Gespür vertrauen, betont Oettl. Er investiert lieber in Teams als in einzelne Gründer, weil Letztere schwerer steuerbar seien und sich die Teammitglieder auch gegenseitig kontrollierten. Als Investor brauche er Verständnis für die Geschäftsidee, aber kein Detailwissen. Am wichtigsten bleibt für ihn die Frage, ob er Vertrauen in das jeweilige Team und dessen Markteinschätzung aufbringen kann.

4. Ziele klären. Investoren und Start-ups sollten ähnliche Ziele verfolgen. Peilt eine junge Firma eher schnelles Wachstum und einen schnellen Exit oder langfristiges Unternehmertum an? In welcher Phase wollen die Business Angels einsteigen? Für Newcomer hält Oettl eher die Wachstumsphase für interessant. Einsteiger sollten auch klären, ob sie genug Zeit für ein dauerhaftes Engagement mitbringen.

5. Portfolio aufbauen. Sind ausreichend freie Mittel beim Investor vorhanden? Sie sollten nicht zum Aufbau der Altersvorsorge vorgesehen sein, betonen Rilling und Oettl mit Nachdruck. Aufgrund des Risikoprofils sind Start-up-Anteile nur sinnvoll, wenn Investoren über ein größeres, diversifiziertes Portfolio verfügen oder es aufbauen. »Denn das für Start-ups eingesetzte Kapital kann schnell weg oder sehr langfristig gebunden sein«, so Rilling.

6. Förderung prüfen. Zwar gibt es keine steuerlichen Vergünstigungen für Engagements von Business Angels, aber Förderprogramme, die sich an Start-ups richten. So investiert die BayBG Bayerische Beteiligungsgesellschaft mbH gezielt in Gründer, die in Bayern ein Unternehmen aufbauen oder übernehmen wollen. Ebenso unterstützt die Bayern Kapital, eine Tochter der LfA Förderbank Bayern, bayerische Firmen mit Venture Capital. Hinzu kommen weitere Förderprogramme auf Landes-, Bundes- und EU-Ebene.

7. Verträge gestalten. Der Beteiligungsvertrag sollte die wichtigsten Szenarien regeln: Was passiert bei weiteren Finanzierungsrunden? Wie sehen die Ausstiegsvarianten aus? Was geschieht bei einem Verkauf des Start-ups? Privatinvestoren sollten sich bewusst sein, dass sie im Wachstumsfall und bei weiteren Finanzierungsrunden an Einfluss verlieren. Zusätzliche Anteilseigner können die Rendite schmälern. »Zu Beginn stehen die Business Angels unterstützend zur Seite, später bestimmen bei Wachstum andere die Strategie«, so Rilling.