Ausbildung: Karriere im Betrieb

Kooperiert mit einer Realschule – municall-Ausbildungsleiter Benjamin Pockes (3.v.l.) mit Azubis

Wer Schüler frühzeitig auf sein Unternehmen aufmerksam macht, hat mehr Bewerber für Ausbildungsstellen. IHK-Bildungspartnerschaften unterstützen die Firmen dabei.

Das Münchner Unternehmen municall new communication GmbH beschäftigt in seinen zwei Gesellschaften neben 38 Mitarbeitern sieben Auszubildende. Das ist eine hohe Quote. Schon sie zeigt den Stellenwert, den die Ausbildung bei dem Beratungsunternehmen in der Telekommunikation besitzt. Geschäftsführer Robert Egartner bekräftigt dies: »Wir übernehmen unsere Azubis fast immer. Das ist ja der entscheidende Grund, warum wir ausbilden: So haben wir später die Fachkräfte, die wir brauchen.«

Am Markt seien diese schwer zu finden. Deshalb beteiligt sich municall seit gut einem Jahr an den IHK-Bildungspartnerschaften. Der Mittelstand hat immer größere Probleme, seine offenen Ausbildungsstellen zu besetzen. Das Projekt Bildungspartnerschaften hilft, Schüler für die duale Ausbildung und den eigenen Betrieb zu gewinnen. Schließlich sind die Unternehmen selbst die besten Werbebotschafter für eine Karriere im Betrieb, die bei der Ausbildung anfängt und bis ins obere Management führen kann.

Benjamin Pockes, Ausbildungsleiter bei municall, erlebt in Gesprächen mit Realschülern immer wieder, dass sie »eine Ausbildung gar nicht auf dem Zettel haben«. Fast alle wollten nach dem Abschluss auf die Fachoberschule, obwohl viele dort abbrechen müssten, weil die Leistungen nicht ausreichten. Häufig seien es die Eltern, die auf eine schulische Weiterbildung drängten, so Pockes. Außerdem entstehe unter den Schülern schnell eine Art Gruppendruck. »Einer sagt, dass er das Fachabitur machen will, und alle anderen ziehen einfach nach«, beobachtet Pockes. »Wir wollen zeigen, dass es Alternativen gibt.«

Kooperationen mit Schulen

Immer mehr Unternehmen gehen die Herausforderung Ausbildung aktiv an. Sie präsentieren sich auf Ausbildungsmessen, bieten Praktika an – und arbeiten mit Schulen zusammen. Seit die IHK für München und Oberbayern 2014 die Bildungspartnerschaften begonnen hat, starteten mehr als 130 dieser Kooperationen zwischen Unternehmen und Schulen. Viele weitere sind in Vorbereitung. Hinzu kommen etliche Bildungspartnerschaften zwischen Firmen und Schulen in ganz Bayern. Im Sommer dieses Jahres wurde das oberbayerische Projekt nämlich bayernweit ausgerollt.

In Oberbayern wurden bereits zum zweiten Mal Top-Bildungspartnerschaften ausgezeichnet: 25 Schulen und Unternehmen, die – wie municall – im vergangenen Schuljahr besonderes Engagement gezeigt hatten, wurden im November geehrt. »Sie haben bereits einen Plan fürs nächste Ausbildungsjahr gemacht und im vergangenen Ausbildungsjahr mindestens zwei Inhalte umgesetzt«, erklärt Verena Kastenhuber, IHK-Fachreferentin Berufsbildungsprojekte, die Kriterien. Inhalte sind zum Beispiel Betriebsbesichtigungen oder Vorträge auf Berufsinformationsabenden in der Schule.

Zu den Ausgezeichneten gehört auch die Aktiv Assekuranz Makler GmbH. Der Versicherungsmakler mit Sitz in München beschäftigt rund 150 Mitarbeiter und fünf Auszubildende. Nach einer kürzlich abgeschlossenen Fusion will das Unternehmen künftig mehr junge Leute ausbilden.

Interesse wecken

»Der Fachkräftemangel ist schließlich nicht nur ein Schlagwort«, sagt Geschäftsführer Detlef Dörrié. Man brauche gute Leute. Bislang hatte das Unternehmen zwar noch keine Probleme, offene Lehrstellen zu besetzen. Dörrié räumt aber ein, dass sowohl die Anzahl als auch die Qualität der Bewerbungen im Laufe der Jahre zurückgegangen sei. Das sei ein Grund, warum die Aktiv Assekuranz seit 2016 eine Bildungspartnerschaft mit der Carl-Spitzweg-Realschule unterhält. »Darüber bekommen wir die Chance, Praktikumsplätze für Neuntklässler anzubieten«, sagt Dörrié.

Ein Praktikum ermögliche das gegenseitige Kennenlernen. »Es weckt in den Schülern eventuell das Interesse, später eine Ausbildung zu machen.« Die Partnerschaften können aber auch den kleineren Mittelstand bekannter machen. Hier sieht Dörrié durchaus Nachholbedarf. Denn für Schulabgänger seien die großen Unternehmen wie Siemens oder BMW oft die erste Wahl.

Wenn Dörrié vor den Klassen steht, erklärt er, warum die Ausbildung beim Mittelständler oft die bessere Entscheidung sein kann: »Die Ausbildung in kleineren Betrieben ist individueller und intensiver.« Der Azubi sei viel mehr ins Team integriert und lerne das Unternehmen in Gänze kennen. Außerdem, so der Aktiv-Assekuranz-Chef, »hat ein Mitarbeiter bei uns ganz andere Entwicklungsmöglichkeiten, hier kann er Entscheidungen treffen«. Dörrié hat das schon vielen Schülern berichtet.

Jedes Jahr hält er einen Vortrag vor einer Klasse. Ihm mache das jedes Mal Freude, sagt er. Es sei interessant zu hören, welche Fragen die jungen Leute stellten. Im Rahmen der Bildungspartnerschaft hat sich sein Betrieb auch am Unternehmenstag in der Realschule beteiligt und andere Veranstaltungen gesponsert. Außerdem beschäftigt er jedes Jahr zwei bis drei Praktikanten. Dörriés Resümee: »Die Bildungspartnerschaften helfen allen Beteiligten, den Schulen, den Schülern und den teilnehmenden Firmen.«

Municall-Ausbildungsleiter Pockes sieht das genauso. Bei überschaubarem Aufwand erlaube die Kooperation mit der Adalbert-Stifter-Realschule München, den Kontakt zu Eltern und Schülern zu halten. Die Schüler seien immer sehr interessiert an den Berichten aus der Praxis. Deshalb will Pockes das Engagement künftig nochmals ausweiten und ein Bewerbungscoaching anbieten.